KIT Lern- und Anwendungszentrum, Karlsruhe
Der Neubau des KIT Lern- und Anwendungszentrums Mechatronik verbindet Werkstätten, flexible Arbeitsbereiche sowie Kommunikations- und Projekträume zu einem vielseitigen Ort für Lernen, Austausch und Projektarbeit. Studierende aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik arbeiten hier gemeinsam – fakultätsübergreifend, praxisnah und projektorientiert. An der Nahtstelle zwischen dem südlichen KIT-Campus und der Blockrandbebauung des Karlsruher „Dörfle“ positioniert sich der Neubau zwischen dem markanten KIT-Hochhaus und dem Carl-Benz-Hörsaalgebäude. Zu seinen direkten Nachbarn hält das LAZ einen respektvollen Abstand, der die natürliche Belichtung sicherstellt und die einzelnen Bauwerke in ihrer Eigenständigkeit stärkt. Während sich der flache Werkstattbau im Süden behutsam an das Hörsaalgebäude anlehnt, tritt das fünfgeschossige Haupthaus als klarer Solitär in den Stadtraum. So entsteht ein Ensemble aus Alt- und Neubauten, das den Straßenraum fasst und zugleich die Identität der einzelnen Baukörper lesbar macht.
Die Erschließung aller Gebäude des Ensembles erfolgt über die Zugänge der Bestandsbauten sowie über die Fugen zwischen Alt- und Neubau. Ein gemeinsames Erdgeschossniveau verbindet den Neubau mit seinen direkten Nachbarn. Ein zentraler Kern bündelt Aufzug, Schachteltreppen und technische Infrastruktur als ruhiges Rückgrat des Hauses. Im Erdgeschoss gliedert dieser das Gebäude in zwei Bereiche: Im Norden öffnet sich ein Hörsaal mit 275 Plätzen, im Süden schließt sich eine multifunktionale Fläche für Arbeiten und Austausch an. Die im Flachbau untergebrachte Werkstatt erstreckt sich mit Galerie über zwei Geschosse und bietet Bearbeitungsmöglichkeiten auf Industrieniveau. In den Obergeschossen nehmen Arbeits-, Kommunikations- und Projekträume den Großteil der Fläche ein. Ausbauwände und Vorhänge unterteilen den fließenden Raum und erzeugen einen industriellen Charakter, der die Aneignungs- sowie Anpassungsfähigkeit des Hauses an wechselnde Anforderungen unterstreicht.
Sichtbeton, Aluminium und Glas prägen das Erscheinungsbild. Das Gebäude wurde als Stahlbetonskelettbau mit vorgefertigten Stützen, Randträgern und vorgespannten TT-Platten konzipiert. Die Elemente wurden geschossweise montiert und präzise miteinander verbunden, während ein zentraler Treppenkern aus Ortbeton die erforderliche Aussteifung gewährleistet. Die Fassade aus vorgehängten, kerngedämmten Betonfertigteilen bildet die innere Struktur nach außen ab. Die großen Glasflächen zwischen den Betonelementen erlauben den Blick ins Innere und machen Projektarbeit, Werkstatt und Alltagsleben im Haus zum Teil des Straßenbilds. In den Obergeschossen sind die Fenster als bodentiefe Aluminium-Hebe-Schiebeanlagen ausgeführt; innenliegende Absturzsicherung und flächiger textiler Sonnenschutz ergeben ein ruhiges Fassadenbild. Im Inneren setzt Eichenparkett einen warmen Kontrapunkt zur technischen Strenge. Die kompakte Bauform, eine hochgedämmte Hülle und die konsequente Vermeidung von Wärmebrücken senken den Primärenergiebedarf auf rund 30 kWh/m²a – Passivhausstandard. Ein kombiniertes Zu- und Abluftgerät mit Zweifachwärmetauscher und adiabater Kühlung sowie eine Photovoltaikanlage mit 50 kWp auf dem Dach ergänzen den Anschluss an das Fernwärmenetz.
Das LAZ Mechatronik ist mehr als ein Lehrgebäude. Hier wird sichtbar, was eine Hochschule sein kann: offen, anwendungsorientiert und untrennbar mit der Stadt verwoben.
Bauherr: Vermögen & Bau BW, Karlsruhe
Planung und Realisierung: 2018-26
BGF und BRI: 5.420 m², 22.940 m³
Wettbewerb 2018, 1. Rang
best architects 27 award
Fotos: Brigida González, Stuttgart