Höchstleistungsrechenzentrum HLRS, Universität Stuttgart
Der Neubau HLRS III ergänzt das bestehende Höchstleistungsrechenzentrum am südlichen Rand des Campus Vaihingen der Universität Stuttgart. Mit dem neuen Rechnergebäude werden zukünftige Forschungsvorhaben und Anwendungen im Bereich High Performance Computing ermöglicht. Die Positionierung des Neubaus schafft eine direkte räumliche Beziehung zum öffentlichen Eingang des HLRS I+II. Dazwischen entsteht ein identitätsstiftender Vorplatz.
Die Gebäudekubatur erfüllt den Raumbedarf auf optimierter Grundfläche. Innerhalb des rechteckigen Baukörpers sind die unterschiedlichen Nutzungen klar gegliedert: ein Rechnerbereich mit zugehöriger Infrastruktur sowie ein Büro- und Besucherbereich mit rund 40 Arbeitsplätzen. Funktionales und technisches Zentrum des Gebäudes ist der High Performance Computing-Raum (HPC). Für die Serveraufstellung ist eine stützenfreie Fläche von etwa 24 × 32 Metern vorgesehen. Die Technikräume für Elektroinstallation und Kühlung sind umlaufend angeordnet und gewährleisten eine effiziente Anbindung an den HPC-Bereich.
Die räumliche Trennung zwischen dem gesicherten HPC-Bereich und den Büroflächen erfolgt über einen durchgehenden, mehrgeschossigen „Canyon“. Eine kaskadenförmige Treppe dient dort als vertikale Erschließung. Runde, verglaste Öffnungen ermöglichen Einblicke in die verschiedenen Ebenen des Rechnerbereichs. Westlich des Canyons befinden sich im Erdgeschoss der Eingangsbereich sowie in den beiden Obergeschossen flexibel organisierte Open-Space-Arbeitsbereiche für interne und externe Mitarbeitende des HLRS.
Die weitgehend fensterlosen Fassaden reagieren auf die hohen technischen, sicherheitsrelevanten und gestalterischen Anforderungen des Gebäudes. Ein durchgängiger Rhythmus konkaver Fassadenelemente unterschiedlicher Materialität prägt das Erscheinungsbild. Wo sinnvoll, werden Photovoltaikpaneele integriert.
Das Tragwerk ist entsprechend den jeweiligen Nutzungsanforderungen aus Stahlbeton, Holz und Stahl entwickelt. Der dreigeschossige Eingangs- und Bürobereich ist als Holz-Hybridbau konzipiert. Im HPC-Bereich ermöglicht eine weit gespannte Konstruktion aus Furnierschichtholz stützenfreie Räume und hohe Flexibilität für zukünftige Nutzungsanforderungen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Nutzung der Abwärme des Höchstleistungsrechners. Über den Anschluss an den unterirdischen Versorgungskanal wird die Wärme künftig in ein Nebengebäude geleitet und dort für die Beheizung des Universitätscampus aufbereitet. Potenziell kann die Abwärmezentrale rund 50 % des jährlichen Heizbedarfs des Campus decken. Dadurch wird der hohe Energieeinsatz des Höchstleistungsrechners zusätzlich nutzbar gemacht.
Bauherr: Vermögen & Bau BW, Universitätsbauamt Stuttgart
Planung und Realisierung: 2012-28
BGF und BRI: 12.700 m², 59.800 m³
Kooperation: Benthem Crouwel Architects, Diemen (NL)
Baustellenfotos: Andreas Labes, Berlin